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Montag, 19. Januar 2015
«Kale»
Die Stars machen es vor, schauen es einander ab – und die Durchschnittsfrau, die gerne so speziell wäre aber immer gleicher wird, macht es nach, wann immer es irgendwie geht. So war es mit den Uggs, den zu grossen Sonnenbrillen, dem ulkigen Tragen von Handtaschen auf dem Unterarm – und nun ist der Federkohl dran. Pardon, «Kale», nicht Federkohl.
Wer kürzlich im Coop einkaufen war, hat sich vielleicht auch über eine komische Werbung gewundert: Über die Lautsprecher wird da im Minutentakt ein neuer Smoothie von Biotta angepriesen. Mit «Keil» und Äpfeln. Dass die Kundschaft, die noch wissen könnte, was Federkohl oder Grünkohl zu Deutsch (auf Englische heisst er eben «Kale») ist und wie hässlich er schmeckt, nicht versteht, was in dem Smoothie ist, scheint Biotta und Coop egal zu sein. Die Mädchen, die gerne wären wie ihre Instagram-Vorbilder, verstehen wohl und kaufen den vermutlich grauslichen und überteuerten Drink.
Federkohl soll total gesund sein, sagen Gwyneth Paltrow, Beyonce und Konsorten. Und man nehme furchtbar gut damit ab. In der Tat weist diese alte und auch im Winter zu erntende Kohlsorte enorm viel Kalzium auf (praktisch für diejenigen, die sich auch wegen der Vorbilder in Hollywood eine Laktoseintoleranz diagnostiziert haben) und hat auch sonst von allen Vitaminen sehr viel in sich. Doch Federkohl schmeckt nicht gut. Wir haben den Federkohl, der damals, als ich instagramloser Teenie war, im Bio-Gemüse-Paket im Winter jede Woche zu Hauf zu finden war, in einem öffentlichen Mülleimer entsorgt, weil mein Vater meinte, das der den Kompost verpesten würde. Nicht einmal die Katze, die sonst wirklich alles frass, hat den Kohl gegessen. Sie hat ihn einmal aus ihrem Fressnapf an die Wand geschmiert. Seither hat niemand in unserer Familie je wieder Federkohl gegessen. Und nun trinken sich damit dünne Zeitgenossinen noch dünner – und tragen zum Treibhauseffekt bei, denn Federkohl ist alles andere als leicht verdaulich…
Donnerstag, 3. Juli 2014
Haushalt
In loser Folge gebe ich hier Tipps für schöneres Wohnen. Zuhause wird es zwar nie so aussehen wie in den aufgeräumten oder extra unordentlichen aber so boho-chicen Lifestyle-Blogs, nach deren Lektüre man immer ein wenig depressiver ist als vorher. Auch nicht wie in den Heftli, die man bei der Ärztin liest. Das kann nämlich gar nicht gehen, denn die Bilder, wie alle Bilder in redaktionell betreutem Umfeld, bilden ja nicht die Wahrheit ab, sondern nur eine geschönte Version davon. Ich weiss es, ich habe die Wahrheit auch schon schöner gestaltet, was ich übrigens sehr gerne mache – falls jemand eine Stylistin braucht für Wohnreportagen? Dabei habe ich einiges gelernt, was durchaus zu einem schöneren Heim (ob das dann auch glücklicher macht, sei dahingestellt) führen kann.
Tipp No 1
Das Abwaschmittel nicht in den Flaschen, in denen es gekauft wird in die Küche stellen. Die sind hässlich, orange oder grün und passen nie zum Rest der Küche. Stattdessen das Mittel in einen ehemaligen Seifenspender füllen, dessen Etikette man entfernt hat. Das macht die Küche schon ein bisschen ästhetischer und ist einfacher und nachhaltiger als Chromstahlputzen. Chromstahl ist nach einem Mal Händewaschen wieder nass und dann bald wieder verkalkt. (s. Bild.)
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