Ich fahre nicht gerne Tram. Manchmal bleibt mir aber nichts anderes übrig, wenn es draussen stürmt wie heute, und ich zum Bahnhof muss. (Uber wäre eine Alternative, stimmt..!) Ich habe nichts gegen ÖV, aber Tramfahren am Morgen kann ganz schön unschön sein. Als Beispiel diene mir die Dame, die links vor mir sitzt: sie hat scheinbar auch einen Termin, ist spät dran, und denkt sich, dann schminke ich mich halt im Tram. Diese Woche ist das schon die zweite, die ich im Tram sehe, die die Intimität des Badezimmers mit einem Tramabteil verwechselt. Da werden Augenringe kaschiert, Wimpern getuscht, Pickel abgedeckt und so weiter. Und ich dachte, man schminke sich, um sein Äusseres zu optimieren, um einen guten und schönen Eindruck zu hinterlassen. – Weit gefehlt. Schminken ist also wie Red-Bull trinken oder Face-time-Gespräche führen einfach etwas, das man immer und überall machen kann. Vorzugsweise im Tram.
Freitag, 17. Oktober 2014
Donnerstag, 11. September 2014
Sie ist Schuld
Wenn ich schreibe, dass sie Schuld ist an vielem, dann meine ich nicht das Model ganz links, auch nicht die beiden in der Mitte oder die ganz rechts. Ich meine die Globalisierung. Sie ist Schuld, dass die Innenstädte der Welt sich gleichen, weil die globalen Marken dort Präsent sein müssen und mit ihrer corporate Architektur die Fussgängerzonen zu einem Einheitsbrei machen. Einzig das Wetter und die Sprache (sofern nicht englisch gesprochen wird), verrät uns, ob wir in den Ferien in Amsterdam, Brighton oder München sind. Das verleiht einem fast ein wenig Rockstar-Gefühl, vielleicht sollte ich das nächste Mal, wenn ich einen Laden eines globalen Brands irgendwo auf der Welt betrete laut «Hello London!» rufen. Vielleicht auch nicht.
Das schlimmste ist, wenn diese Läden, die man im Ausland gerne besucht hat, um sich selbst ein Souvenir seines Wochenendtrips zu besorgen (und den Kurs Schweizerfranken-Euro 1:1 berechnet, weil es so mehr Spass macht, einzukaufen) in die eigene Stadt kommen. Dann machen die irgendwie alles kaputt. Die Vorfreude ist weg, weil niemand gerne Weihnachten das ganze Jahr über feiert. Anders ging es mir, als es hiess COS käme nach Zürich. Wie toll, dachte ich, nun werde ich mein Kleiderschrank nur noch mit den stylishen, zeitlosen Basics der nordischen grossen Schwester von H&M füllen. Und fortan stets gut gekleidet sein. Ich ging also in den Laden – und war enttäuscht. Nicht auf anhieb. Erst als ich alle dunkelblauen, grauen und schwarzen Stücke eingehend gemustert und den Stoff zwischen den Fingern hatte. Irgendwie fühlte es sich billig an, irgendwie war der Laden, oder sein Interieur, etwas hohl und oberflächlich. Es sah aus wie bei Ikea. Und die Stoffe, die wirkten auch etwas überteuert, so in Schweizerfranken.
Vielleicht muss ich, wenn ich meinen Plan des perfekten Kleiderschranks doch noch einmal in die Tat umsetzen will, mir einfach vorstellen, ich sei in den Ferien. Das Personal im COS Zurich redet sowieso nur englisch. Ich hätte an der Kasse (ok, einen Pullover für meinen Sohn habe ich gekauft) fragen sollen, in welcher Stadt ich mich gerade befinde. Oder laut «Hello London!» rufen sollen.
Montag, 18. August 2014
Zähne putzen
In loser Folge gebe ich hier Tipps für schöneres Wohnen.
Tipp No 3
Wie die Küche ist auch das Badezimmer in einer Schweizer Mietwohnung fertig eingerichtet, wenn wir sie neu beziehen. Der Ort, an dem man sich wohl am bewusstesten umschaut (Spiegel) und sich für kommende Heldentaten des Alltags parat macht, ist aber meistens leider der unpersönlichste Ort der ganzen Wohnung. Auch hier spielt das Licht eine grosse Rolle: meist eine Neon-Röhre, in Spiegelnähe, die man gar nicht erst anschalten soll. Ich empfehle deshalb, eine kleine Leuchte mit angenehmem Licht beim Waschbecken zu positionieren – wer sagt denn, dass man nur Föhn und Rasierer dort einstecken soll.
Und dann kann man auch diesen Raum als Wohnraum betrachten und einige Blumen, die man für das Wohnzimmer gekauft hat, ohne Weiteres im Bad hinstellen. Mein Tipp: in ein kleines Glasfläschchen, dort, wo das zweite Zahnglas sonst steht.
Siehe auch
Tipp No 1
Tipp No 2
Freitag, 15. August 2014
Sommer im Nebel
Nun ist schon ein Monat vorbei, seit ich den letzten Eintrag gepostet habe. Dazwischen waren Sommerferien, die natürlich immer viel zu kurz sind. Und neblig.
Im Sommer war ich ein paar Mal im Zürichsee, einmal im Mittelmeer, einmal in der Maggia und ein paar Mal in einem Pool in der schönen Chiantigiana. Dort haben wir das Borgo Petrognano für uns entdeckt und das hübsche Dorf Barberino Val d'Elsa. In Barberino Val d'Elsa gibt es nicht viel, aber wir fanden gefallen an der tollen Enoteca La spinosa gefunden, wo es biologischen Wein gab, von dem wir natürlich nach Hause genommen haben.
Eines frühen Morgens morgens in den Ferien war die Stimmung zauberhaft und ganz vernebelt. Nicht, weil wir zu viel Zeit in der Enoteca verbracht haben, nein, weil es eben doch kälter war als gedacht und deshalb der Nebel in die Wälder stieg, als die Sonne aufging. Das war traumhaft, auch für mich, die nicht so gerne früh aufsteht.
In Florenz haben wir an knapp einem Tag noch ein bisschen Architektur angeschaut. Ich mag die Balkone unter den Arkaden im Uni-Quartier und das Hotel JK (!), das ich leider nur von aussen gesehen habe.
Doch ich möchte gar nicht klagen, die Ferien waren wunderbar. Jetzt wünsche ich mir einen farbigen und warmen Herbst.
Eines frühen Morgens morgens in den Ferien war die Stimmung zauberhaft und ganz vernebelt. Nicht, weil wir zu viel Zeit in der Enoteca verbracht haben, nein, weil es eben doch kälter war als gedacht und deshalb der Nebel in die Wälder stieg, als die Sonne aufging. Das war traumhaft, auch für mich, die nicht so gerne früh aufsteht.
In Florenz haben wir an knapp einem Tag noch ein bisschen Architektur angeschaut. Ich mag die Balkone unter den Arkaden im Uni-Quartier und das Hotel JK (!), das ich leider nur von aussen gesehen habe.
Doch ich möchte gar nicht klagen, die Ferien waren wunderbar. Jetzt wünsche ich mir einen farbigen und warmen Herbst.
Donnerstag, 10. Juli 2014
ein langes Leben

Oscar Niemeyer ist am 5. Dezember 2012 im Alter von knapp 105 Jahren gestorben. Der Architekt weiss also, wovon er spricht, wenn er sagt:
«Man fragt mich oft, was das Geheimnis eines langen Lebens wie des meinen ist. Obwohl ich glaube, dass das Leben gar nicht lang ist, sondern nur einen Atemzug dauert, antworte ich: Mass halten beim Essen, ohne auf ein gutes Glas Wein zu verzichten: Wenn man vom Tisch aufsteht, sollte man immer noch ein wenig hungrig sein.»
Dieses Zitat, das ich mir ab sofort zu Herzen nehmen werde, ist in dem abgebildeten Buch auf Seite 57 zu finden. Darin hat der Antikapitalist und Architekt Oscar Niemeyer kurz vor seinem Tod ein Resumée seines Lebens und zugleich eine Reflexion über unsere Gesellschaft vorgelegt. Er ruft nach Solidarität und beklagt das Leid unseres Systems, erinnert sich aber auch an spezielle Gegebenheiten seines Lebens. Das hübsche kleine Büchlein ist ein tolles Geschenk (nicht nur) für Architektinnen und Architekten, ein idealer Begleiter an den Strand oder in die Badi (es liest sich sehr leicht) – und macht sich, in einem Café in der Stadt gelesen, dank des schönen Covers gut zu einem farbigen Sommerkleid oder ein paar Leinenhosen. Wer dieses Buch auf den Tisch legt, kommt sicher ins Gespräch mit gleichgesinnten Schöngeistern.
Montag, 7. Juli 2014
Licht in der Küche
Tipp No 2
Wir bleiben zwar in der Küche. Aber eigentlich handelt es sich um eine Grundsatzfrage: Wer sagt schon, dass man in einer Mietwohnung alles so in Kauf nehmen muss, wie es der Vermieter vorsieht? Wohneigentum ist in der Schweiz zwar beliebt, aber wird für die breite Masse immer schwieriger zu finanzieren, bald darf man dafür nicht einmal mehr sein BVG-Guthaben verwenden. Diejenigen, die mieten, zahlen so ihr ganzes Leben drauf im Gegensatz zu denjenigen, die etwas kaufen und in Boom-Zeiten wieder verkaufen, um sich damit wieder etwas Neues zu kaufen und so weiter. Doch ich will hier nicht über Wohneigentum referieren, sondern für etwas mehr Glück in den eigenen vier Wänden sorgen. Und dabei die Ästhetik zu Hilfe nehmen, denn Freude kann durch schöne Dinge entstehen.
Zurück also in die Küche: In der ganzen Mietwohnung hängen beim Einzug meist keine Leuchten, nur in der Küche (und im Bad, dazu später) befindet sich leider fast immer ein grausig grelles Neonlicht, das man nie auswählen würde – wirklich nie – wenn man selbst auswählen könnte. Also empfehle ich, das hässliche Ding wegzunehmen mit einer Leiter und einem Phasenprüfer. Bis man wieder auszieht, macht sich diese Röhre auch im Keller gut. Dann die Leuchte seiner Wahl montieren, und jeder Besuch wird von nun an die wohnliche Küche bewundern, denn plötzlich ist hier alles in Ordnung. Dazu muss man dann nicht einmal so viel Zeugs an die Wand hängen, wie wir es getan haben.
Donnerstag, 3. Juli 2014
Haushalt
In loser Folge gebe ich hier Tipps für schöneres Wohnen. Zuhause wird es zwar nie so aussehen wie in den aufgeräumten oder extra unordentlichen aber so boho-chicen Lifestyle-Blogs, nach deren Lektüre man immer ein wenig depressiver ist als vorher. Auch nicht wie in den Heftli, die man bei der Ärztin liest. Das kann nämlich gar nicht gehen, denn die Bilder, wie alle Bilder in redaktionell betreutem Umfeld, bilden ja nicht die Wahrheit ab, sondern nur eine geschönte Version davon. Ich weiss es, ich habe die Wahrheit auch schon schöner gestaltet, was ich übrigens sehr gerne mache – falls jemand eine Stylistin braucht für Wohnreportagen? Dabei habe ich einiges gelernt, was durchaus zu einem schöneren Heim (ob das dann auch glücklicher macht, sei dahingestellt) führen kann.
Tipp No 1
Das Abwaschmittel nicht in den Flaschen, in denen es gekauft wird in die Küche stellen. Die sind hässlich, orange oder grün und passen nie zum Rest der Küche. Stattdessen das Mittel in einen ehemaligen Seifenspender füllen, dessen Etikette man entfernt hat. Das macht die Küche schon ein bisschen ästhetischer und ist einfacher und nachhaltiger als Chromstahlputzen. Chromstahl ist nach einem Mal Händewaschen wieder nass und dann bald wieder verkalkt. (s. Bild.)
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